Unter einer hämorrhagischen Diathese versteht man eine aufgrund von Gerinnungsstörungen verstärkte Blutungsneigung. Auftretende – auch kleinere Blutungen – können vom Körper nicht oder nur unzureichend bzw. verlangsamt gestoppt werden. Normalerweise wird nach einer Verletzung das körpereigene Gerinnungssystem aktiviert, welches eine Blutung stoppt bzw. eine Wunde verschließt. Die Thrombozyten (Blutplättchen) erkennen dabei, wenn ein Defekt bzw. eine „fremde“ Oberfläche vorhanden ist und heften sich dieser an. Aufgrund der Vielzahl der Thrombozyten, die sich quasi aneinanderreihen, wird so die Wunde verschlossen. Zusätzlich sorgen Gerinnungsfaktoren (Eiweiße) u.A. für die Vernetzung von Fibrin (einem Eiweiß). Zwischen den Thrombozyten wird ein Netz aus Fibrinfäden gebildet, so dass ein Pfropf entsteht. Das Gefäß ist verschlossen.

Gerinnungsstörungen können angeboren oder erworben sein und können in jedem Alter auftreten. Bei angeborenen Gerinnungsstörungen zeigen sich erste Symptome meist schon ab etwa dem 3. Lebensmonat mit dem Zahnwechsel, wobei es zu erheblichen Blutungen kommen kann. Erworbene Gerinnungsstörungen können sich als Begleiterscheinung einer anderen Krankheit oder aufgrund von Medikamentenunverträglichkeiten einstellen. Die Thrombozyten (Blutplättchen) werden im Knochenmark gebildet und in der Milz abgebaut. Tumoröse Erkrankungen dieser Organe können z.B. für eine drastische Verringerung der Thrombozyten (sog. Thrombozytopenie) verantwortlich sein und so Blutungen auslösen. Ebenfalls sind Thrombozytenzerstörungen bei bestimmten Medikamenten zu beobachten. Da fast alle Gerinnungsfaktoren in der Leber gebildet werden, kann z.B. eine chronische Lebererkrankung für das Fehlen von Faktoren hier ursächlich sein.

Symptome:
Symptom kann jede abnorme Blutung sein, Hämatome (Blutergüsse) auch nach Bagatellverletzungen, Zahnfleischbluten, plötzliches Nasenbluten, Blut im Urin, pechschwarze Färbung des Stuhls (Meläna, Teerstuhl), Blutungen in Gelenkhöhlen oder auch – nicht sichtbare – innere Blutungen. Hier sind die Symptome eher unspezifisch und daher schwer zu interpretieren (Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, allgemeine Schwäche etc.) Ein leider oft praktisches Beispiel hier ist Rattengift.

Die im Rattengift verwendeten Wirkstoffe sind Derivate des Cumarin. Durch die Hemmung der Vitamin K Produktion kommt es je nach Dosis und Konstitution des Hundes zu massiven Gerinnungsstörungen, so dass das Tier letztendlich innerlich verblutet. Hierbei handelt es sich um einen absoluten Notfall. Selbst bei normalen Injektionen kommt es zu einer verlängerten Blutungszeit was sich v.a. bei hell- und kurzhaarigen Rassen in Form von kleinen Einblutungen in der Haut als runde rote Punkte zeigt.

Formen:
Formen der hämorrhagischen Diathese sind die „von-Willebrand-Krankheit“ (Dobermann, aber auch alle anderen Rassen), die durch einen vererbten Mangel des sog. „von-Willebrand-Faktor“ (ebenfalls ein Gerinnungsfaktor) entsteht sowie das „Scott Syndrom“, welches ebenfalls vererbt ist, aber nur beim Deutschen Schäferhund auftritt. Faktorenkrankheiten (hier Gerinnungsfaktoren) sind fast immer erblich bedingt.

Therapie:
Diese richtet sich nach der Schwere der Erkrankung. In jedem Fall sollte für ein entsprechendes Verhalten des Hundes gesorgt werden, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Bei leichter bis mittlerer Ausprägung kann man evtl. selbst versuchen, die Blutung zu stoppen.

Bei starker Ausprägung bzw. starker Blutung müssen Blutverluste durch die intravenöse Gabe der fehlenden Faktoren verhindert oder sogar durch eine Bluttransfusionen ausgeglichen werden. Hier muss umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden. Liegt der Erkrankung eine andere Organerkrankung zugrunde, muss diese entsprechend behandelt werden.