Die zyklische Hämatopoese (auch zyklische Neutropenie oder Grey-Collie-Syndrom genannt), ist eine erbliche bedingte Krankheit, welche autosomal-rezessiv vererbt und durch einen Defekt in den Stammzellen des Knochenmarks verursacht wird. Sie wurde 1983 erstmalig beschrieben und führt in einem ca. 10-12-tägigen Intervall (daher zyklisch) zu einer Neutropenie (s.u.). Außerdem besteht bei den neutrophilen Granulozyten ein Myeloperoxidasemangel (Enzym, welches bei Entzündungsprozessen eine Rolle spielt).

Es sind nur Collies davon betroffen, die ab einem Alter von 8-12 Wochen erste klinische Symptome (Fieber, Durchfall, Gelenkschmerzen etc.) entwickeln. Außerdem zeigen sie ein graues oder helles Fell (daher Grey-Collie-Syndrom). Betroffene Hunde weisen ebenfalls, anderes als bei gesunden Tieren, keine schwarze Nase auf.

Als Neutropenie bezeichnet man eine verringerte Anzahl an neutrophilen Granulozyten (kurz: Neutrophilen), welche zu den weißen Blutkörperchen, den Leukozyten, gehören.
Neutrophile Granulozyten werden aus Stammzellen im Knochenmark gebildet und besitzen nur eine kurze Lebensdauer. Sie sind sehr mobil und können in Gewebebereiche eindringen, die anderen Zellen nicht zugänglich sind und spielen somit eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr.

Die zyklische Hämatopoese ist durch den plötzlichen Abfall der Neutrophilenzahl, was sich alle 10-12 Tage wiederholt, gekennzeichnet. Aufgrund der wichtigen Rolle der Neutrophilen im Immunsystem hat dieser plötzliche Abfall gravierende negative Auswirkungen auf die Gesundheit des Hundes. Betroffene Tiere sind wesentlich anfälliger für Infektionen. Sie leiden aufgrund der niedrigen Neutrophilenzahl an Magen-Darm-Problemen, Fieber, Blutungen, Blutvergiftung und bakteriellen Infektionen des Auges, der Atemwege oder der Haut. Die Lebenserwartung von Collies mit zyklischer Hämatopoese beträgt in der Regel weniger als drei Jahre.