Schulhunde – Pädagogen auf vier Pfoten

Haustiere haben eine positive Wirkung auf die seelische Ausgeglichenheit von Menschen. Dies Schulhunde nutzen aber nicht nur Psychologen in der tiergestützten Therapie, sondern auch Erzieher in Kindergärten und Pädagogen in Schulen.

Hunde sind scheinbar echte Multitalente – und ihren Haltern nicht nur treue Freunde. Dank ihrer besonderen Sinne und Fähigkeiten erweisen sie sich häufig als ganz besondere und wertvolle Helfer im Alltag mit Menschen.

Als Blindenhunde, Spür und Rettungshunde haben sie schon manches Menschenleben gerettet. Auch als Polizei- und Wachhunde leisten die Hunde natürlich extrem wichtige und besondere Dienste.

Immer häufiger kommen die Helfer auf vier Pfoten nun aber tatsächlich in der tiergestützten Therapie und als Schulhunde zum Einsatz und wandern neben den Lehrkräften von Klassenzimmer zu Klassenzimmer. Zahlreiche Studien belegen einen positiven Einfluss auf das Lernverhalten, Verantwortungsbewusstsein und die Motivation von Schülerinnen und Schülern im Kontakt mit den Tieren.

Als Schulhunde eignen sich besonders ruhige und sehr gut erzogene Hunde mit einem ausgeglichenen Temperament. Die bepfoteten Lehrer sollten natürlich einen hohen Stresspegel ertragen – ohne Zeichen von Aggression zu zeigen. Tatsächlich spielt die Rasse bei den tierischen Pädagogen keine Rolle – es kommt ausschließlich auf das Wesen des individuellen Tieres an.

Warum greifen immer mehr Kindergärten und Schulen auf die pädagogische Wunderwaffe zurück?

Ein Hund hat keine Erwartungen, kennt keine Vorurteile und ist insbesondere Kindern gegenüber generell sehr freundlich gesinnt. Schulhunde vermitteln Kindern häufig Dinge, die ihnen leider nahezu unbekannt sind: Anerkennung, Aufmerksamkeit, Nähe, Sicherheit und Geborgenheit.

Die Fellnasen erkennen häufig Außenseiter und zeigen sich ihnen gegenüber besonders zugetan – und führt viele Kinder auf diesem Wege zurück in die Gemeinschaft. Dank ihres feinen Gespürs für Emotionen suchen Hunde intuitiv Kontakt zu Kindern in Stresssituationen – auf diese Art und Weise wird natürlich manch kritische Situation entschärft.

Zudem hat der Hund direkten Einfluss auf das Klassenklima und das soziale Verhalten von Schülerinnen und Schülern. Viele Kinder übernehmen gern Dienste für den Hund und sind bereit, Rücksicht zu nehmen. Empathiefähigkeit und Verantwortungsbewusstsein werden so „ganz nebenbei“ geschult. Viele Lehrkräfte beobachten außerdem einen Rückgang von Verhaltensauffälligkeiten.

Leitungen der Kindergärten und Grundschulen bestätigen positive Wirkung der Hunde

Der Hund hat also nicht nur eine beruhigende, sogar tröstende Wirkung, sondern hilft auch introvertierten Kindern, aus sich herauszugehen. 

Lehrkräfte sollten aber auch im Blick haben, dass manche Kinder ängstlich auf den neuen „Assistenten“ reagieren können. Gespräche mit den Kindern und auch ihren Eltern vor dem ersten Einsatz der Schulhunde sind deshalb besonders wichtig. Positive Erlebnisse mit dem Tier führen dann schnell zu Veränderung – und sind dem Hund plötzlich sehr zugetan.

Eben aus diesem Grund werden die befellten Co-Pädagogen häufig in den Unterricht integriert – auch um den Kindern die Angst vor den Hunden zu nehmen. Zudem lernen sie auch den richtigen Umgang mit den Vierbeinern. Ist ein Hund im Klassenzimmer, sind die Kinder ruhiger, aufmerksamer, weniger gestresst und es gibt seltener Auseinandersetzungen.

Stress lässt sich wegstreicheln

Das Streicheln des Hundes reduziert nachgewiesenermaßen den Stresspegel bei den Zweibeinern.

Streichelt man einen Hund und verspürt dabei die Freude und Zuneigung des Hundes, produziert das körpereigene Wohlfühl- und Bindungshormon Oxytocyn. Dieses spielt auch bei Mutter-Säuglings-Kontakten eine große Rolle, sorgt für Nähe und ist auch als Gegenspieler von Stresshormonen wie Cortisol bekannt. Untersuchungen haben ergeben, dass Kinder in Anwesenheit eines Hundes tatsächlich weniger gestresst sind.

Schulhunde erfreuen sich also aus gutem Grund immer größerer Beliebtheit. Die besondere Wirkung, die Hunde im Einsatz an der Schule zeigen, ist unumstritten. Zahlreiche Studien nennen einen positiven Einfluss auf das Lernverhalten, Verantwortungsbewusstsein und die Motivation von Schülerinnen und Schülern im Kontakt mit den Tieren.

Qualitätsmerkmale für den Einsatz der Schulhunde

Pädagoginnen und Pädagogen können sich dem sogenannten „Schulhundweb“ anschließen – einem Onlineportal, auf dem sich Lehrkräfte vernetzen und transparent zeigen, nach welchen Qualitätsmerkmalen sie arbeiten – und mit ihren Schulleitungen eine Selbstverpflichtungserklärung unterzeichnen. Diese ist bis dato das einzige Qualitätssiegel für den Einsatz von Schulhunden.

Mit der Unterzeichnung verpflichten sich die Pädagoginnen und Pädagogen zu

  • einer abgeschlossenen Grundausbildung (z.B. Hundeführerschein), die dem Hund Gehorsam bescheinigt sowie dem Hundeführer das Wissen bezüglich Neigung und Körpersprache des Tieres,
  • einer Weiterbildung im Bereich „Hundegestützte Pädagogik“,
  • regelmäßigen Fort- und Weiterbildungen von insgesamt 16 Stunden in zwei Jahren,
  • einem Gesundheitsattest des Tierarztes,
  • der Einrichtung eines für den Hund geeigneten Umfelds in der Schule,
  • einem Konzept, das Rituale für den Hund und Regeln für die Schülerinnen und Schüler beinhaltet,
  • einer Tierhaftpflichtversicherung.
Wie wird eine Fellnase zum Schulhund?

Lehrerinnen und Lehrer schließen gemeinsam mit ihrem Hund eine Weiterbildung zum Mensch-Hund-Team ab. Darin lernen sie, wie sie das Tier in den Schulalltag einbinden, aber auch, wie sie die Signale ihres Hundes besser deuten können.

Es gibt zahlreiche Weiterbildungen, im Schulhundweb und dem Qualitätsnetzwerk Schulhunde können interessierte Lehrkräfte Empfehlungen finden.

Lernziel Hund
  • Kommandos verstehen
  • Benehmen/ausgeprägtes Sozialverhalten
  • Hund wird konditioniert, auf Stimmungsschwankungen zu reagieren/ kritische Situationen ins Positive zu lenken
  • Sozialisierung des Hundes
  • Aufbau einer engen Bindung an „seinen“ Menschen
  • Gewöhnung an: akustische Reize, schreiende Kinder, Spieltrieb anderer Hunde
  • Hund lernt stich überall berühren zu lassen – ohne Anzeichen von Aggression
        Lernziel Mensch:
  • Hund lernt stich überall berühren zu lassen – ohne Anzeichen von Aggression
  • Techniken die zur Beruhigung des Hundes führen
  • Positive Veranlagung des Hundes verstärken
  • Lernen, den Hund zu verstehen (Hundesprache)
  • Sicheres, souveränes Führen des Hundes in allen Situationen
  • Erlernen der nonverbalen Kommunikation mit dem Hund
Aufwendungen für einen Schul- bzw. Therapiehund sind hälftig als Werbungskosten abziehbar
Das Urteil vom 14.01.2021, Az: VI R 15/19 bestätigt:

Aufwendungen für einen sogenannten Schulhund können bis zu 50 % als Werbungskosten bei den Einkünften einer Lehrerin aus nichtselbständiger Arbeit abgezogen werden. Ein hälftiger Werbungskostenabzug ist nicht zu beanstanden, wenn der Hund innerhalb einer regelmäßig fünftägigen Unterrichtswoche arbeitstäglich in der Schule eingesetzt wird. Die Aufwendungen für die Ausbildung eines Schulhundes zum Therapiehund sind regelmäßig in voller Höhe beruflich veranlasst und damit als Werbungskosten abziehbar.

Wünschenswert wäre es tatsächlich, dass alle Schulen einen Pädagogen auf vier Pfoten beschäftigen. Der Erfolg dieser tierischen Maßnahme spricht schließlich für sich.

                   

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